Die PPWR macht Mehrweg für viele Unternehmen vom Nachhaltigkeitsthema zur Managementaufgabe. Entscheidend ist nicht nur, die neuen Anforderungen zu erfüllen – sondern herauszufinden, wo Reuse wirtschaftlich das bessere Modell sein kann.
Mit der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) bekommt Reusable Packaging einen klaren regulatorischen Rahmen. Ab 2030 gelten für bestimmte Transport- und Verkaufsverpackungen konkrete Wiederverwendungsanforderungen. Für viele Unternehmen stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob sie sich mit Mehrweg beschäftigen müssen, sondern wie.
Die naheliegende Reaktion ist ein Compliance-Programm: Betroffenheit prüfen, Quoten erfüllen, Risiken minimieren. Das ist notwendig, reicht strategisch aber nicht aus. Denn Mehrweg kann im richtigen Anwendungsfall Verpackungskosten senken, Prozesse standardisieren und zusätzliche Transparenz in der Supply Chain schaffen.
Der Business Case liegt im System, nicht in der Verpackung
Eine wiederverwendbare Verpackung ist noch kein funktionierendes Mehrwegsystem. Entscheidend ist, was nach der Nutzung passiert:
Wie kommt die Verpackung zurück? Wer besitzt sie? Wie wird sie geprüft oder gereinigt? Wie hoch sind Schwund und Beschädigungen? Und wie viele Umläufe erreicht sie tatsächlich?
Damit verändert sich die wirtschaftliche Logik. Statt nur den Stückpreis zu vergleichen, sollten Unternehmen auf den Total Cost per Use schauen. Dazu gehören Anschaffung und Abschreibung ebenso wie Rücktransport, Reinigung, Handling, Lagerung, Reparaturen und Verluste – abzüglich vermiedener Einwegkosten. Erst diese Gesamtbetrachtung zeigt, ob Reuse einen belastbaren Business Case bietet.
Besonders attraktiv sind häufig geschlossene B2B-Kreisläufe – etwa zwischen Produktionswerken und Lieferanten, Zentrallagern und Filialen. Dort sind Start- und Endpunkte klar, Warenströme wiederkehrend und Rücktransporte oft bereits vorhanden. Verpackungen lassen sich zuverlässiger zurückführen, Umlaufzeiten messen und Bestände besser steuern.
In offenen Lieferketten mit vielen Empfängern, langen Distanzen oder niedrigen Rücklaufquoten können die zusätzlichen Logistikkosten einen möglichen Vorteil dagegen schnell aufzehren. Eine gute Reuse-Strategie beginnt deshalb nicht mit der Verpackung, sondern mit der Analyse der Warenströme.
Drei Fragen sollten Unternehmen jetzt beantworten
- Wo sind wir regulatorisch betroffen?
- Wo ist Mehrweg wirtschaftlich attraktiv?
- Wo lohnt es sich, über Compliance hinauszugehen?
Welche Verpackungsformate, Geschäftsbereiche und Warenströme fallen unter die relevanten PPWR-Anforderungen? Ohne eine belastbare Baseline lassen sich Handlungs- und Investitionsbedarf kaum priorisieren.
Entscheidend sind Volumen, Transportdistanz, Rückführbarkeit, Umlaufzahl, Verlustquote und bestehende Reverse Logistics.
Die Regulierung setzt die Untergrenze. In geeigneten Kreisläufen kann Reuse deutlich weiter gehen – wenn dadurch Beschaffung reduziert, Prozesse standardisiert oder Logistikkosten gesenkt werden.
Die PPWR erhöht den Handlungsdruck rund um Reusable Packaging. Unternehmen sollten daraus jedoch kein isoliertes Verpackungsprojekt machen. Der Wettbewerbsvorteil entsteht weniger durch die Verpackung selbst als durch das bessere System dahinter: hohe Umlaufzahlen, effiziente Rückführung, geringe Verluste und Transparenz über den Kreislauf. Die Regulierung schafft den Handlungsdruck. Der Business Case entscheidet, wie weit Unternehmen gehen sollten.
Wie wir unterstützen können
1cc: Wir übersetzen PPWR-Anforderungen in konkrete Handlungsfelder, bewerten die Betroffenheit und unterstützen bei Compliance- und Umsetzungsentscheidungen.
TechProtect: Wir begleiten die operative Umsetzung, von Rückführungsprozessen bis zu Transport, Abholung und Rücknahme. So greifen regulatorische Anforderungen und ein funktionierendes Mehrwegsystem ineinander.
Wo liegt das Reuse-Potenzial in Ihrer Supply Chain?
Lassen Sie uns gemeinsam prüfen, wo die PPWR konkreten Handlungsbedarf schafft und wo aus regulatorischer Pflicht ein wirtschaftlich attraktives Mehrwegsystem werden kann.
