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08

Sept. 2026

Logistik im Circular Economy Modell: Darauf kommt es an

On 08 , Sept. 2026 | In | By Mona-Fee Kienle

Produkte herstellen, verkaufen, nutzen und am Ende entsorgen: Dieses lineare Modell stößt zunehmend an seine Grenzen. In einer Circular Economy sollen Produkte und Materialien stattdessen möglichst lange im Wirtschaftskreislauf bleiben. Wiederverwendung, Reparatur, Aufbereitung und Recycling spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Europäische Umweltagentur (EEA) betont, dass längere Produktlebensdauern den Bedarf an neuen Produkten und damit verbundene Umweltwirkungen reduzieren können.

Damit aus diesem Prinzip ein funktionierendes Geschäftsmodell wird, braucht es jedoch mehr als langlebige oder reparierbare Produkte. Entscheidend ist eine Logistik, die nicht nur den Weg zum Kunden beherrscht, sondern auch den Weg zurück.

Repair und Refurbishment werden dabei häufig zunächst vor allem als zusätzlicher Kostenfaktor betrachtet – etwa für Rücktransport, Prüfung, Ersatzteile, Aufbereitung und erneute Distribution. Gleichzeitig kann eine längere Produktlebensdauer dazu führen, dass Kunden weniger häufig Neuprodukte kaufen. Aus wirtschaftlicher Sicht entstehen jedoch ebenso neue Chancen: Reparatur- und Refurbishment-Services können zusätzliche Umsatzquellen schaffen, Kunden langfristiger an Hersteller und Marken binden und den Restwert von Produkten besser ausschöpfen. Aufbereitete Produkte erschließen zudem neue Kundengruppen und Preissegmente und ermöglichen den Aufbau attraktiver Zweitmärkte.

Hinzu kommt, dass Unternehmen durch funktionierende Rücknahmesysteme wertvolle Komponenten und Materialien im eigenen Kreislauf halten können. Dadurch lassen sich Abhängigkeiten von Rohstoffen reduzieren und Teile, Komponenten oder komplette Geräte erneut wirtschaftlich nutzen. Circularity wird damit nicht nur zu einer Frage von Nachhaltigkeit oder Regulierung, sondern kann zu einem eigenständigen Service- und Geschäftsmodell werden, wenn Rücknahme, Prüfung, Reparatur, Refurbishment und Wiedervermarktung effizient miteinander verbunden sind.

Rückwärtslogistik von Anfang an mitdenken

In klassischen Lieferketten liegt der Fokus vor allem auf einer Richtung: vom Hersteller über Handel oder Logistikdienstleister zum Kunden. Circular-Economy-Modelle erweitern diese Logik. Produkte müssen nach ihrer Nutzung zurückgeführt, geprüft und abhängig von ihrem Zustand dem passenden nächsten Prozess zugeordnet werden.

Diese Rückwärtslogistik sollte deshalb nicht erst beginnen, wenn die ersten Retouren oder Rücknahmen eintreffen. Zirkularität beginnt bereits beim Produktdesign: Schon in der Entwicklungsphase kann beeinflusst werden, wie gut sich ein Produkt später reparieren, zerlegen, wiederverwenden oder recyceln lässt. Darauf aufbauend gilt es bereits bei der Konzeption eines zirkulären Geschäftsmodells festzulegen, wie Produkte zurückkommen, wo sie geprüft werden und nach welchen Kriterien über ihre weitere Verwendung entschieden wird.

Denn nicht jedes zurückgesendete Produkt nimmt denselben Weg. Während ein Gerät nach einer Prüfung möglicherweise direkt wieder eingesetzt werden kann, benötigt ein anderes eine Reinigung, Reparatur oder technische Aufbereitung. Erst wenn eine weitere Nutzung nicht sinnvoll möglich ist, kommt die stoffliche Verwertung ins Spiel. Das entspricht auch der europäischen Abfallhierarchie, in der Abfallvermeidung und Vorbereitung zur Wiederverwendung vor Recycling und Beseitigung stehen.

Prüfen, aufbereiten und gezielt weiterleiten

Der Wareneingang wird damit zu einer wichtigen Schnittstelle der Circular Economy. Hier muss zunächst klar sein: Welches Produkt ist zurückgekommen? Ist es vollständig? In welchem optischen und technischen Zustand befindet es sich?

Auf Basis definierter Kriterien lässt sich anschließend entscheiden, was mit dem Produkt geschieht. Je nach Geschäftsmodell kann es beispielsweise erneut verwendet, repariert, refurbished, als Ersatzteilspender genutzt oder dem Recycling zugeführt werden.

Diese Prozesse sind besonders relevant, weil eine längere Nutzung von Produkten einen wesentlichen Beitrag zur Circular Economy leisten kann. Die EEA nennt unter anderem Wiederverwendung, Reparatur und Sharing als Strategien, mit denen sich Produktlebensdauern verlängern lassen.

Transparente Daten statt Blackbox

Mit den physischen Warenströmen müssen deshalb auch Informationen fließen. Seriennummer, Produktstatus, Rückgabegrund, durchgeführte Prüfungen, Reparaturen und der weitere Verwendungsweg können wichtige Datenpunkte sein. Je genauer diese Informationen dokumentiert werden, desto besser lassen sich Prozesse steuern und Entscheidungen nachvollziehen.

Die Bedeutung solcher Produktinformationen wird auch regulatorisch größer. Die EU-Verordnung über Ökodesign für nachhaltige Produkte (ESPR) schafft den Rahmen für einen digitalen Produktpass. Dieser soll je nach Produktgruppe unter anderem Informationen zu Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclinganteil oder Ersatzteilverfügbarkeit zugänglich machen.

Für Unternehmen bedeutet das: Circular Logistics ist nicht nur eine Frage von Transport und Lagerung. IT-Systeme, Produktdaten und sauber definierte Statusinformationen gehören genauso zum Prozess.

Skalierbarkeit entscheidet über den Erfolg

Was mit wenigen Rückläufern noch manuell funktioniert, kann bei größeren Stückzahlen schnell komplex werden. Unterschiedliche Länder, Produktgruppen, Rückgabewege und Zustandsklassen erhöhen die Zahl möglicher Prozessvarianten.

Deshalb sind standardisierte Abläufe und klar definierte Entscheidungskriterien wichtig. Automatisierte Statusmeldungen, dokumentierte Prüfprozesse und eindeutige Regeln für die Weiterleitung von Produkten helfen dabei, Circular-Economy-Modelle auch bei wachsenden Mengen beherrschbar zu machen.

Dass hier weiterhin Handlungsbedarf besteht, zeigen die europäischen Zahlen: 2024 stammten lediglich 12,2 Prozent und der in der EU eingesetzten Materialien aus recycelten Materialien. Gleichzeitig sieht die Europäische Umweltagentur noch erheblichen Skalierungsbedarf insbesondere bei Geschäftsmodellen, die längere Produktlebensdauern und eine stärkere Wiederverwendung ermöglichen.

Circular Economy braucht funktionierende Kreisläufe

Wer Rücknahme-Prozesse von Anfang an mitdenkt und Logistik mit transparenten Daten und klaren Entscheidungswegen kombiniert, schafft eine wichtige Voraussetzung dafür, Produkte länger im Kreislauf zu halten und somit Circular Economy vom Konzept in die Praxis zu bringen.

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